Yewan de la Verdiere
beschrieben von Roswitha
Mein Herz, mein Glück, mein Liebelein, mein Professor, mein Ein und mein Alles.
Es fällt mir jetzt nach 21 Monaten noch immer sehr schwer etwas über ihn zu schreiben, so sehr hängt mein Herz an ihm. Nur ein paar Tage nach dem überraschenden Tod von Fangio, wollte mich jemand trösten und erzählte von einem Welpen in Belgien, der auch sehr schön sein sollte. Die Züchter sprachen aber nur französisch. Gut, daß ich meinen netten Herrn Wessels, von Berufung Landwirt kenne, der mit Begeisterung die französische Sprache pflegt, und gerne für mich in Belgien anrief, um meine Belange darlegte und den Besuch dort beim Züchter regelte.
Am 1. November, eine Woche nach Fangios Abruf, fuhren wir dorthin. Wir wußten nur, der Hund war “komplett”, was sich für uns auf die Hoden bezog. In einem überaus abgelegenen, idyllischen Haus begrüßten uns Madam und Monsieur Graux-Marechall. Sie holten den Welpen, vollkupiert (das hieß “komplett”) herein, Madam stellte ihn auf einen Tisch und sagte ausdrucksvoll “YWAN!”. Er war wunderschön, vollkommen, wie eine erwachsener Boxer in Stein gemeißelt, schaute uns mit riesendunklen Augen an, selbstbewußt, schon kraftvoll und bemuskelt. Und wir waren hin und weg. Diese kraftvolle Bemuskelung gepaart mit seinem Superwesen, machte ihn bekannt und so blieb bis zu seinem Ende. Außerdem war er ein Paradiesvogel, da vollkupiert und durfte auch nur ein Jahr lang noch in D ausgestellt werden. Die Ausstellungen in Benelux die dann folgten waren jedes Mal ein Highlight und er wurde im 3. Lebensjahr belgischer Jahressieger. Sportmäßig war er sehr arbeitsfreudig, konzentriert, immer abrufbar, sehr motiviert und hat die VPG 3 und IPO 3 sowie FH immer sehr gut gemeistert. Yewan war immer wie “unter Strom”, super ansprechbar, Action pur wie eine Kerze, die an zwei Seiten brennt. Er hat in der Gruppe Marl einige Welpen vorbildlich großgezogen, besonders “Vayas Box Breno” mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Yewan wurde gerne zur Ausbildung für junge Helfer eingesetzt.
Vereinstechnisch ergaben sich einige Schwierigkeiten und Enttäuschungen, die heute noch nachklingen und den Wechsel zu einer anderen Gruppe hervorriefen. Nahtlos ging jedoch die Phase für Yewan weiter, junge Leute, die neu dazukamen, konnten erst einmal die UO mit Yewan üben, er wusste den Ablauf und hatte Riesenspaß dabei, ebenfalls beim Schutzdienst. Es hieß immer “hol mal den Yewan, der wird euch schon zeigen, wie alles richtig ist”. Ein neuer Freund stand auch für ihn parat, der Welpe Niro, für den er bis zum Schluß den Vater spielte. Beide waren auch außerhalb des Platzes unzertrennlich. Solch ein Verhältnis zwischen zwei Rüden habe ich in den knapp 40 Jahren nicht wieder beobachtet. Auch in der neuen Gruppe wurden die Welpen liebevollst von ihm betreut. Sein Superwesen – einfach genial! Alle mochten ihn, Mensch und Hund. Ich hatte, als Yewan im 11. Lebensjahr war, einen komplizierten Beinbruch und mußte ins Krankenhaus. Yewan vermißte mich sehr und daß ich nicht da war, brach ihm sozusagen das Herz. Er rutschte mit den Hinterläufen ein paar mal weg und konnte sein Futter nicht mehr richtig im Magen halten. Frau Joswig, seine Tierräztin und wir, sahen seine schwindenden Kraft und beschlossen ihn nicht leiden zu lassen, da auch eine Analyse Krebs bewies.
Dieser tolle, selbstbewusste, wunderbare, gutmütige, seelenvolle Hund sollte nicht leiden und so hat ihn Frau Joswig einen außerordentlich würdevollen Abgang in unseren Armen ermöglicht. Danke dafür!
Für immer Yewaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaan, mein Leben, mein Glück, mein Herzerfrischer.


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